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Stimme der Vernunft – Fehlanzeige!

Ich muss es einfach mal sagen: Das Bloggen beruhigt mich zuweilen ungemein. Denn es zeigt mir, dass andere Eltern mit Kindern im selben Alter wohl mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Auch wir sind dabei und vermelden: Trotzalarm! De luxe!

Schade ist nur, dass – so wie wir! – auch die anderen Eltern keine Lösung auf diese unangenehmen „Ausfallerscheinungen“ der Kinder zu haben scheinen. Wir sitzen alle im selben Boot und ertragen die Launen der Zwerge.

Leander hat uns letzte Wochen nahezu in den Wahnsinn getrieben. Leanders Papa zudem krank und daher sowieso mit schlechten Nerven ausgestattet, ertrug die Launen noch weniger als Leanders mittlerweile in der 29.SSW schwangeren Mama. Rücksicht? Fremdwort!

Alles Ermahnen und Schimpfen führte zu rein gar nichs. Im Gegenteil: Je mehr wir Leander in die Verantwortung nahmen, desto ungestümer wurde sein Tun. Ein ganz klassischer Dialog geht in etwa so:

Mama: Leander, räum das bitte sofort weg!
Leander: Nein!
Mama (aufkeimende Zornesröte im Gesicht): Doch!
Leander (erste dicke Tränen in den Augen): Nein!
Mama (jetzt schon richtig sauer): Wohl doch! Und zwar sofort, pronto! Die Mama wird sonst echt sauer mit Dir!
Leanders (richtig am Heulen und schreien): Nein nein nein!
Mama (verzweifelt!): ….

Gelegentlich allerdings sind obige Dialoge dadurch zu unterbrechen, indem verhandelt wird. Nur, wenn Leander dies oder jenes tut oder auch nicht tut, dann darf er danach dies oder jenes – funktioniert nicht immer, aber wenigstens manchmal.
Meist jedoch enden obige Dialoge mit Leanders Heulen und Wehklagen und mit genervten „Augen rollen“ der Eltern. Kindelein stellt die Ohren einfach auf Durchzug … oder: lacht!

Um unser erzürntes, entfesseltes Kind besser zu verstehen, hat mir diese Lektüre geholfen. Allerdings bekomme ich dabei nahezu Mitleid – das arme Kind!

13 Antworten auf “Stimme der Vernunft – Fehlanzeige!”

  1. Nicole
    26. Januar 2009 18:06
    1

    Ihr habt mein tiefstes Mitgefühl. Ich hätte mir auch nie träumen lassen, dass ich mich mit unter 18-jährigen Dickköpfen auf Verhandlungen einlasse. Ich wünsch Euch Kraft und Geduld.
    Nicole

  2. mama schwaner
    26. Januar 2009 19:59
    2

    aber es hilft wirklich, wenn man weiß, dass man nicht alleine so verzweifelt ist. zum glück. hoffen wir, das die lieben kindelein irgendwann genug ausgetestet haben, wie weit sie gehen können und was sie damit erreichen.

  3. Aline
    26. Januar 2009 20:34
    3

    Ich lese gerade die aktuelle GEO kompakt (Nr. 17 – Kindheit). Dort gibt es einen Artikel „Der schwierige Balanceakt“, der handelt von Wutanfällen, Trotzattacken, Schimpfen und Heulen. Und zeigt, wie Eltern reagieren, aber auch besser reagieren können. Sehr zu empfehlen.

  4. Babs
    26. Januar 2009 21:57
    4

    ja,ja, Alisa war heute morgen als ich das Frühstück gerichtet habe nur am „plärren“ (würde man bei uns sagen), Marvin wollte aber ja auch seinen Brei, so dass es ganz schön nervte. Dann kam mir die Idee sie zu filmen. Kaum hat sie den Film gesehen war sie wieder ruhig und wollte den Film immer wieder sehen. Manchmal merke ich auch, dass sie einfach nur Nähe bräuchte, aber die Zeit habe ich halt nicht immer. Ausserdem gibt es eben noch ihren kleinen Bruder, den sie auf der einen Seite vermisst, wenn er nicht da ist, wo sie ihn vermutet, aber dem sie manchmal auch gerne weh tut, um die Aufmerksamkeit von Mama zu bekommen.

  5. Micha
    27. Januar 2009 09:15
    5

    Wir erzielen in der Tat mit „Kompromissen“ die besten „Besänftigungsergebnisse“. Wenn es da heißt: „Hannah, komm jetzt bitte Händewaschen!“ und Madame meint wieder mal: „Neein, nicht!“ und rennt trotzend davon, dann versuchen wir ihr klarzumachen, dass das Händewaschen ihre aktuellen Pläne ja nicht wirklich durchkreuzt, nur eben verzögert: „Hannah komm, wir waschen jetzt Hände und dann können wir das Buch lesen. Dann machst Du es schon nicht so dreckig!“ Meist funktioniert das erstaunlich gut. Die Kleinen verstehen schon mehr, als man manchmal glaubt. Natürlich gibt’s auch einige Dinge, bei denen es keinerlei Kompromisse gibt und geben kann. Herplatten, steile Treppen und dergleichen. Da ist dann wirklich Kampf angesagt.

    Jaaa, es ist schon schwierig… und es ist beruhigend, dass es dann doch auch wieder „normal“ und überall so ist. :-)

  6. Christina
    27. Januar 2009 09:39
    6

    Danke für Eure Antworten. Ih sag es ja, der Austausch mit „Leidensgenossen“ ist schon recht hilfreich.
    @Micha: Jaja, Kompromisse schließen. Das versuche wir hier auch immer. Aber irgendwann ist auch mal Ende mit Kompromissen und Kinder müssen doch auch lernen, dass Dinge einfach mal gemacht werden müssen. Eben weil es die Eltern sagen!
    Den Satz „es geht nicht immer alles nach dem Lustprinzip“ habe ich als Kind wirklich ge.has.st, aber jetzt merke ich, dass er Sinn macht. Ich kann mich doch mit Leander nicht über jeden einzelen Duplostein unterhalten, den er bitte wegzuräumen hat, weil er parallel schon hundert andere Dinge aus dem Regal gezogen hat.
    Wie handhabt ihr das?

  7. Micha
    27. Januar 2009 09:56
    7

    Ja, natürlich hast Du recht. Man hätte viel zu tun (und vor allem unendlich viel zu reden), wenn man immer Kompromisse eingehen würde. Vielleicht war „Kompromiss“ auch das falsche Wort. Wir versuchen einfach, Hannah dort abzuholen wo sie ist. Und wenn sie (um beim Beispiel zu bleiben) gerade nicht Händewaschen will, dann versuche ich zu verstehen, warum nicht. Oftmals hat es nämlich einen ganz banalen Grund und hat nicht immer nur mit bloßer Unlust oder Trotz zu tun. Letzteres kommt erst dazu, wenn sie merkt, dass wir auch auf stur schalten. Schlägt sie dann unser Angebot aus (z.B. erst Händewaschen, dann Buchlesen), dann setzen wir uns konsequent durch… und zwar ohne Entgegenkommen. Das endet (natürlich) in Geschrei und Wutanfällen. Aber sie merkt dann (hoffentlich), dass sie letztlich das erreicht hätte, was sie will, wenn sie zuvor eingelenkt hätte. Das funktioniert erstaunlich oft… Aber natürlich bei weitem nicht immer! :-)
    Letztlich ist Erziehung wohl immer auch Kampf. Irgendjemand hat das mal mit der Aufzucht von jungen Bäumen verglichen. Man pflegt und hegt sie, muss ihnen aber auch immer wieder an den richtigen Stellen die Äste kappen, damit sie gerade gen Himmel wachsen und nicht in die falsche Richtung ausschlagen. Mir geht es da wie Dir, Christina: Erst jetzt verstehe ich, was meine Eltern mir manchmal versucht haben mitzugeben. Vieles davon hat mich einst immer genervt. Heute verstehe ich den Gedanken dahinter! Ich denke, so wird es unseren Zwergen irgendwann auch mal ergehen. :-)

  8. Susan
    27. Januar 2009 11:15
    8

    Ich merke immer wieder, daß Ben auf Stur schaltet, wenn ich unnachgiebig werde, wie auch Micha schon sagte. Wie zum Beispiel das, was du hier genannt hast – da beiße ich auf Granit, weil Ben sich nicht zwingen läßt. Oftmals hilft es aber, wenn ich die sanfte Schiene einschlage, d.h., wenn er z.B. eine Kleinigkeit aufheben soll, ihn einfach frage, ob er mir das bitte mal wiedergeben kann. Das funktioniert super. Wenn er seinen Krempel wegräumen soll, machen wir es halt gemeinsam und so weiter.
    Ich kriege es hier immer wieder mit, daß Ben immer wieder bereit ist, mitzuarbeiten – aber nur, wenn ich mich nicht hinstelle und ihm vermittle, daß ich das Sagen habe. Wenn er das Gefühl hat, angeleitet zu werden oder besonders das Gefühl hat, eine große Hilfe zu sein, dann hilft er erstens sehr gerne mit, kommt sich ganz nützlich und groß vor und zweitens kommt es auch weniger zu Wutanfällen. Was ich mir oft vorstelle, wenn ich merke, daß ich zu ungeduldig werde und er wiederspenstig wird, wie ich selber reagieren würde: wenn man mich nett fragt, dann arbeite ich eher mit, als wenn ich angemotzt werde.

    Gut, manchmal geht eben gar nichts mehr, dann verfängt er sich so sehr in seiner Wut, daß er keinen Vorschlägen mehr zugänglich ist. Dann ist es am besten, ihn sich austoben zu lassen.

    Das kommt vielleicht weich und nachgiebig rüber, aber ich bin auf der anderen Seite auch nicht bereit, mich auf einen Machtkampf mit einem zweijährigen einzulassen – eine Falle, in die ich trotz guten Vorsätzen immer noch oft genug tappe. Schließlich, das sage ich mir immer wieder: er ist zwei und versteht bei weitem noch nicht alles.

    Ich sehe das jetzt langsam bei einer Freundin, wie das gehen kann, wenn man eine sehr unnachgiebige Haltung vertritt: „Ich große Mutter, du kleines Kind, ich sage, du machst und bist brav.“ Das Klima zwischen den beiden ist jetzt schon vergiftet, dabei ist die Kleine erst vier. Immer wieder kommt sie an und sucht Nähe und Aufmerksamkeit, doch auf die falsche Weise. Die Mutter auf der anderen Seite ist nur noch am Schimpfen und Motzen. Das finde ich erstens traurig und zweitens extrem stressig, denn das wird auf jeden Fall die nächsten 16 Jahre noch so weitergehen.

    Aber es ist auch schwierig mit den Knilchen, manchmal ist da auch einfach nur der Wurm drin. Denn es ist ja auch letztlich bei den Großen so: es ist Tagesformabhängig ;-)
    Kopf hoch, auch das geht irgendwann vorbei!

  9. Micha
    27. Januar 2009 11:24
    9

    Susan, dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Du sprichst mir regelrecht aus der Seele! :-) Nein wirklich: Ein Machtkampf ist völlig kontraproduktiv. Und das sage ich, der offengesagt von antiautoritärer Erziehung gar nichts hält! :-D Und wie Susan schon sagte: Es geht ja nicht darum, immer nachzugeben oder sich den Willen aufdrängen zu lassen. Es geht darum ein Gefühl des Miteinanders zu vermitteln, die Kleinen mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass man sie führen und nicht unter Druck setzen will. Das klingt so einfach… ist aber leider oftmals sehr viel schwieriger. Und manchmal hilft dann wirklich nur noch Druck und Härte.

  10. Oma Heidi
    27. Januar 2009 12:51
    10

    Oh Herr im Himmel! Was ist das schön, wenn man KEINE kleinen Kinder hat. Ihr Armen, ich weiß ja, wies bei euch ausschaut. Ihr macht das super!
    Ach übrigens Christina: von seinem Vater hat der Zwerg das nicht- harrrrrrrrrrrrr :-)

  11. Christina
    27. Januar 2009 13:41
    11

    Danke, dass Du das noch einmal sagst, Micha. Wir sind nämlich auch der Meinung, dass man versuchen sollte, de Kinder abzuholen und ja, wir versuchen es so zu machen, wie Du schreibst, Susan. Wir beziehen Leander viel in unser Tun ein und geben ihm Aufgaben, die er in seinem Alter schon gut machen kann, z.B. die Servierten auf den Tisch legen etc.
    Leider, und darum ging es in meinem Post: Nicht immer lässt sich durch Verhandlung etwas erreichen. Manchmal ist der Wurm drin und dann verstärkt sich – sicher auf beiden Seiten! – das Verhalten. Und manchmal gibt es auch einfach nichts zu verhandeln. Wir sind schon der Meinung, dass Kinder auch lernen müssen, einfach mal zu hören! Punkt! Denn vieles können die Kleinen in ihrem Alter noch nicht überblicken. Es geht ja nicht darum, sie willkürlich zu bestimmen, sondern meine Entscheidung, die zu befolgen sind, machen Sinn.

  12. Micha
    27. Januar 2009 14:27
    12

    Siehste, und so meinte ich das auch! In sehr vielen Situationen ist es sicher richtig und wichtig aufeinander zuzugehen. Aber manchmal (sei es nun aufgrund äußerer Zwänge wie Zeitnot oder aufgrund undiskutabler Umstände wie Gefahren o.ä.) ist einfach mal bedingungsloser Gehrosam angesagt. Das klingt jetzt ganz furchtbar, aber letztlich ist es so. Das meinte ich auch damit, als ich schrieb, dass ich kein Fan von „antiautoritärer Erziehung“ bin. Eltern sind keine Freunde und auch keine Partner auf Augenhöhe. So funktioniert das in meinen Augen nicht. Wer erziehen und führen will, der muss hier und da auch Druck ausüben. Sonst ist das nur ein Begleiten und letztlich ein Machenlassen.
    Ich denke, man merkt ganz gut, dass wir alle hier mit unserem elterlichen Gefühl ganz gut ausgestattet sind. Unsere Hebamme (und zugleich Katrins Tante) sagte uns mal: Gesunde Eltern haben von Natur aus alles, was sie für ihre Kinder brauchen. Das kann kein Ratgeber und Wissenschaftler besser machen. ;-)

  13. Susan
    28. Januar 2009 10:29
    13

    Ne, das war mir eigentlich schon klar und ich sehe das auch genau so, daß manche Sachen eben sein müssen und manche Sachen gar nicht gehen. Meistens bin ich ja eher weich und lasse mit mir verhandeln – ich will eben mein Kind auch zur Eigenständigkeit erziehen. Das geht nicht ohne ein paar Zugeständnisse zu machen. Auf der anderen Seite – das sagt einem aber auch schon der gesunde Menschenverstand – brauchen Kinder die Eltern eben auch als Autoritätspersonen. Manche Sachen müssen halt sein, basta. Da habe ich auch keine Angst davor, mal richtig die Autoritäre raushängen zu lassen. Und Ben kann das mitlerweile auch schon ganz gut unterscheiden, wann genau es nun wirklich gut ist und er gefälligst zu gehorchen hat. Ich finde es nur schrecklich, wenn die Familienstrukturen auf einem rigiden Machtverhältnis beruhen, das kann nur schief gehen.

    Und klar, es geht halt nicht immer, das ist logisch. und was meinst du wohl, wie es hier manchmal aussieht!
    (Wir haben momentan ein paar richtig gute Tage, da tendiere ich schon mal dazu, alles rosiger zu sehen und anderen gute Tipps um die Ohren zu schlagen ;-))

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